Cloud Computing ist das neue SOA

13.11.2010 Netz und Web Kommentieren

Wenn es zur Zeit ein gehyptes Thema in der IT-Welt gibt, dann ist es sicher „Cloud Computing“. Alles wird in die Cloud geladen oder über die Cloud abgewickelt – Cloudsourcing ist der Trend. Der Hype dürfte seinen Zenit zwar mittlerweile überschritten haben, dennoch wird uns das Thema höchstwahrscheinlich noch einige Zeit begleiten. Dass der Hype langsam abebbt merkt man unter anderem daran, dass sich bei Nachrichten mit Cloud-Computing-Bezug auf den einschlägigen IT-Webseiten, die Kommentare der IT-Foren-Experten mehren, die dem Cloud Computing ein unrühmliches Ende prophezeien: „Cloud Computing sei das neue SOA und in Kürze wird sich das alles in Wohlgefallen auflösen – die Cloud wird also abregnen und es bleibt der strahlend blaue IT-Himmel.” Aber ist das wirklich der deterministische Lauf der Dinge?

Im Anfang war das Wort

Betrachtet man die aktuelle Nachrichtenpräsenz des letzten großen IT-Hypes SOA, dann ist es damit nicht besonders weit her. Vor wenigen Jahren war alles noch irgendwie SOA, wessen Systeme keine serviceorientierte Architektur hatten, der gehörte zum alten Eisen. Heute wird wenig und wenn dann relativ nüchtern über SOA berichtet. Auf der anderen Seite finden sich jedoch serviceorientierte Architekturen als Grundlage vieler Systeme und sind fester Bestandteil von Geschäftsprozessen. Nahezu jeder API populärer Webdienste, liegen Webservices als Ausprägung einer SOA zugrunde. Geblieben ist die Essenz, also die Technik oder das Paradigma, welches hinter dem Hype steckte.

Im Anfang war die Tat

Seltsamerweise existiert diese Essenz oder zumindest deren Grundlage oft schon lange vor dem Hype. Was den „IT-Experten“ einen Anreiz liefert, sich bei ihrer „Kritik“ besonders zu echauffieren. Techniken wie CORBA oder RPC beispielsweise existierten schon lange bevor jemand in der IT von Serviceorientierung sprach. SETI@home oder Folding@Home verteilten ihre Rechenaufgaben bereits rund 10 Jahre bevor jemand auf die Idee kam, die symbolische Darstellung (eine Wolke) für etwas nicht näher im Diagramm Spezifiziertes, wie etwa das Internet, als Schlagwort für einen Ansatz zu verwenden, wie man mit vernetzten Ressourcen umgehen kann. Doch wie kommt es dann plötzlich zum Hype?

Im Anfang war die Kraft

Was ein im Kern eigentlich völlig trockenes und zuweilen langweiliges Thema zu einem Hype macht, der sich schließlich auch im Mainstream manifestiert, ist in erster Linie ein einprägsamer und pragmatisch wirkender Begriff. Einmal geprägt erschwert er zuerst und vereinfacht dann massiv die Kommunikation. Wo anfangs wenig Inhalt vermutet wird, bildet sich aus einem weichen Kern zuerst eine vage Vorstellung und letztendlich ein greifbares Thema. Ein Hype lenkt schließlich die Aufmerksamkeit auf ein Themenfeld. Die betroffenen ITler haben einen griffigen Namen (was im Zusammenhang mit der Cloud zugegebenermaßen etwas widersprüchlich wirkt) der einen Blumenstrauß von Techniken und Herangehensweisen beschreibt mit denen sie sich einmal befassen sollten. Die Medien können – in der Regel völlig überhöht – über einen Trend in der IT-Welt berichten, der sich mit einem einzigen Wort bezeichnen lässt, ohne dabei zu sehr auf die Hintergründe eingehen zu müssen.

Am Ende ist der Sinn

Und am Ende des Hypes bleibt idealerweise etwas übrig, das das bereits Dagewesene systematisiert, sinnvoll ergänzt und fortan dabei hilft Aufgaben besser oder eleganter zu lösen. Besser und eleganter als die etablierten Ansätze derjenigen, die einem solchen Hype überhaupt nichts abgewinnen wollen, sondern damit beschäftigt sind, ihre verbalen Messer für den nächsten Hype zu wetzen.

Cloud Computing ist wirklich eines der neuen SOAs.

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